Presseaussendungen, Stellungnahmen und Medienberichte der Bundesvereinigung der Milizverbände – chronologisch, Neuestes zuerst.
5. August 2026 · Medienbericht
Miliz lehnt acht Monate Durchdienen ab
Salzburger Nachrichten, 5. August 2026
Die Salzburger Offiziersgesellschaft und die Bundesvereinigung der Milizverbände warnen die Regierung: Das Kompromissmodell – sechs Monate Grundwehrdienst und drei Übungsmonate, von denen zwei direkt an den Grundwehrdienst angehängt werden könnten – wäre de facto ein „Durchdienermodell" von acht Monaten. „Einsatzverbände entstehen nicht in der Grundausbildung, sondern durch wiederkehrendes Üben im Verband – mit denselben Menschen, am selben Gerät, über Jahre", heißt es aus der Offiziersgesellschaft. Diese Bedenken teilt auch Präsident Bernd Huber: Wer die Übungstage an den Grundwehrdienst dranhängt, verlängert die Kaserne – „aber er baut keine Miliz".
Salzburger Nachrichten, 5. August 2026. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.
28. Juli 2026 · Interview
„Wir müssen stark genug sein, um keinen Krieg führen zu müssen"
Präsident Bernd Huber im Interview mit den Salzburger Nachrichten (Marian Smetana)
Was dachten Sie sich, als Sie die Regierungspläne zur Wehrpflichtreform gehört haben? Die Verhandlungen liefen ja bis zum Schluss.
Eine gewisse Erleichterung und ein wenig eine Enttäuschung. Erleichterung, weil die Regierung es doch geschafft hat, prinzipiell eine Lösung zu schaffen, wodurch die Wehrpflicht verlängert wird. Das ist das Entscheidende. Und diese Entscheidung kam auch keinen Tag zu früh, es war dringend notwendig, hier die richtigen Schritte zu setzen, um Österreich für die sicherheitspolitischen Herausforderungen zu rüsten.
Und die Enttäuschung?
Die rührt daher, weil die Koalition eigentlich beim Zivildienst mit der freiwilligen Verlängerung sehr unverbindlich geblieben ist.
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Warum? Sie sind ja für die Miliz zuständig. Wieso beschäftigt Sie, wie der Zivildienst ausgestaltet ist?
Das ist natürlich nicht zu trennen, weil ja beides, Wehr- und Zivildienst, im Sinne der sogenannten Umfassenden Landesverteidigung, die übrigens auch in der Verfassung verankert ist, zusammen gedacht werden muss. Wehr- und Zivildienst sind grundsätzlich immer kommunizierende Gefäße, was die Mannstärke betrifft. Und das ist ja das Entscheidende, dass wir eine ausreichende Mannstärke haben. Der Zivildienst ist aufgrund der Möglichkeit, daheim zu wohnen und keine militärischen Übungen, etwa im Feld, zu absolvieren, natürlich für die persönliche Lebensplanung um einiges attraktiver. Das wurde immer mit der Länge des Dienstes kompensiert. Nach dem neuen Modell sind Wehr- und Zivildienst praktisch gleich lang. Wenn die Leute im großen Ausmaß den Zivildienst bevorzugen, dann werden wir beim Bundesheer die nötigen Stärken nicht erreichen. Daher die Sorge.
Die Regierung will deshalb den Grundwehrdienst mit höherem Sold und Urlaubstagen attraktiver machen. Das wird nichts nützen?
Das wird man sich ansehen müssen. Ich persönlich glaube nicht, dass es eine so entscheidende Rolle spielen wird, weil in dem Alter geht es sehr viel um die Frage der Zeit und der Freizeit, und die sieht natürlich im Kasernenalltag anders aus als bei einem Zivildienst.
Die Regierung hat eine Grenze eingezogen. Wenn die Zahl der Grundwehrdiener um mehr als 7,5 Prozent unter die jährliche Marke von 15.000 sinkt, dann wird der Zivildienst verpflichtend verlängert. Glauben Sie, dass diese Marke unterschritten wird?
Ich gehe davon aus. Man muss sich das nur durchrechnen. 7,5 Prozent von 15.000 sind ungefähr 1000 und die Meldungen zum Grundwehrdienst schwanken jetzt schon bei rund 14.000, ohne die Verlängerung. Deshalb denke ich, dass es nötig sein wird, den Zivildienst zu verlängern.
Warum ist ein längerer Wehrdienst für ein funktionierendes Milizheer so wichtig?
Ein Heer ist nur schlagkräftig, wenn das Zusammenwirken von verschiedensten Fähigkeiten funktioniert. Und im Moment haben wir mit den sechs Monaten die Grund- bzw. Einzelausbildung. Wir können auch in der Kompanie üben, aber Zusammenwirken in den Verbänden konnte nicht mehr geübt werden. Da geht es um logistische Abläufe, um das Zusammenspiel mit der Fernmelderei oder der Artillerie. Und, und, und. Vereinfacht gesagt, können die Pioniere in sechs Monaten lernen, wie man eine Brücke baut, aber welche strategische Rolle diese für andere Truppengattungen hat, konnten wir bislang nicht üben. Die Zeit hat gefehlt. Und damit ist aber die Wirkungsfähigkeit des Heeres insgesamt nicht mehr gegeben.
Militärübungen von jungen Männern über Jahre hinweg, wie sie jetzt geplant sind, sind aber auch ein wirtschaftlicher Faktor für den Einzelnen, aber auch für die Wirtschaft insgesamt. Was sagen Sie dazu?
Man muss natürlich auch für die Arbeitgeber Anreize schaffen. Und man muss für die Soldaten schauen, welche Kurse auch zivil verwendbar sind. Hier gibt es sicher noch Potenzial. Und zusätzlich muss es in der Gesellschaft, und damit auch in der Wirtschaft, wieder ein Bewusstsein dafür geben, dass wir eben eigentlich eine Miliz und damit eine Volksarmee haben.
Die geopolitische Sicherheitslage macht eine Aufrüstung inklusive Wehrdienstverlängerung auch in Österreich notwendig. Aber verstehen Sie, dass die weltweiten Konflikte auf junge Menschen abschreckend wirken und man im Moment lieber nicht Soldat wird?
Ja, ich verstehe das natürlich. Ich glaube aber auch, wir können nur als Staatsganzes erfolgreich sein. Und zum Staatsganzen gehört, dass Österreich über entsprechende Instrumente der Verteidigung und der Abschreckung verfügt. Wir können momentan der Ukraine jeden Tag danken, weil sie Europa jeden Tag die Zeit erkämpft. Ich hoffe, sie können sich noch lange verteidigen, auch wenn Frieden in der Ukraine natürlich wünschenswert ist. Aber die Aggression Russlands wird so schnell nicht nachlassen. Wir in Österreich wollen natürlich keinen Krieg führen, auch ich will das natürlich nicht, niemand will das. Aber wir müssen stark genug sein, um ihn nicht führen zu müssen.
27. Juli 2026 · Presseaussendung
Wehrdienstreform: Stocker (Schwarzenberg), Babler (Radetzky) und NEOS (Zar Alexander I.)
Bundesvereinigung der Milizverbände
„Auf das Wohl des Fürsten Schwarzenberg, als denjenigen Feldherrn, welcher drei Monarchen in seinem Lager hatte und den Feind dennoch zu schlagen verstand!", soll Feldmarschall Gebhard Leberecht Blücher in einem Trinkspruch in Richtung auf den Sieger der Völkerschlacht von Leipzig 1813 gesagt haben. Mit dem Namenspatron der Schwarzenbergkaserne in Salzburg sind also mit Recht hohe (militärische) Erwartungen verbunden.
Man muss anerkennend festhalten: Bundeskanzler Christian Stocker, dem im Koalitionspoker um die Verlängerung des Wehrdienstes irgendwie die Rolle des Fürsten Karl Philipp von Schwarzenberg zugefallen sein dürfte, hat sich redlich bemüht, eine Lösung zur notwendigen Verlängerung des Grundwehrdienstes herbeizuführen. „Das ist anzuerkennen und zumindest eine Basis, um im Sinne der Sicherheit Österreichs arbeiten zu können", so Oberstleutnant Bernd Huber, Präsident der Bundesvereinigung der Milizverbände.
Aus Milizsicht sei es jedenfalls zu begrüßen, wenn eine Verlängerung des Wehrdienstes in Form von Truppen- bzw. Milizübungen vorgenommen werden soll. Das entspreche dem Inhalt der Bundesverfassung und einer langjährigen Forderung der Bundesvereinigung der Milizverbände. „Wir begrüßen das als richtigen Schritt. Eine Umsetzung dieser Maßnahme in die Praxis und damit die Rückkehr zu einsatzfähigen Verbänden ist damit möglich, das hat das Bundesheer bereits in der Vergangenheit bewiesen", so Bernd Huber weiter. Man dürfe sich jedoch nicht der Illusion hingeben, dass damit bereits kurzfristig einsatzfähige Verbände vorhanden sein werden. „Diesbezüglich werden wir, werden die Soldaten des Österreichischen Bundesheeres also viel Arbeit vor sich haben", zeichnet Bernd Huber den weiteren Weg vor.
Respekt äußert er auch vor dem Koalitionspartner SPÖ, der sich als kompromissbereit erwiesen und dadurch die erzielte Lösung zumindest ermöglicht habe. „Wenn ich daher den historischen Vergleich mit Fürst Schwarzenberg weiter strapazieren darf, so kommt Vizekanzler Andreas Babler mit allen Vorbehalten irgendwie die Rolle des Radetzky als Stabschef Schwarzenbergs, also als Ermöglicher eines Kompromisses, zu", sagt Bernd Huber und ergänzt, dass Andreas Babler zumindest über militärische Basiserfahrung verfüge.
Verhinderer: Zar Alexander I. (NEOS)
Große Enttäuschung und Skepsis meldet Oberstleutnant Huber jedoch in Richtung künftige Gestaltung des Zivildienstes an. „Die beabsichtigte Regelung ‚freiwillige Verlängerung – Automatismus – verpflichtende Verlängerung' liest sich nicht nur kompliziert, sie dürfte auch in der Umsetzung äußerst schwierig zu bewerkstelligen sein, vorausgesetzt eine der Oppositionsparteien trage dies zur Erzielung einer Verfassungsmehrheit mit, was zu bezweifeln sei. Die politische Verantwortung für dieses absehbare Verstolpern muss ich eindeutig den NEOS zuordnen, die ihrer Rolle als liberale, dem Staatsganzen verpflichtete Partei in keiner Weise gerecht werden und daher die Hauptverantwortung dafür tragen, wenn die nun vorgestellte Regelung insgesamt scheitert. Historisch würde den NEOS am ehesten die Person von Zar Alexander I. zuzuordnen sein, der bei Leipzig 1813 ebenfalls als Be- und Verhinderer eines gemeinsamen Vorgehens aufgefallen ist", so Bernd Huber abschließend.
Mai/Juni 2026 · Medienbericht
Wehrdienstreform: warten, warten, warten, …
Der Kamerad – Aktuell, informativ, kritisch, Nr. 05/06 2026
Oberst Mag. Riedl, Präsident der Offiziersgesellschaft Salzburg, und Oberstleutnant Mag. Bernd Huber, Präsident der Bundesvereinigung der Milizverbände, erläutern im Fernsehen die Notwendigkeit der Umsetzung des Modells „Österreich Plus". Der Beitrag zeichnet den Weg von der Einsetzung der Wehrdienstkommission bis zum monatelangen Stillstand nach der Vorlage des Kommissionsberichts nach.
Der Kamerad, Ausgabe Mai/Juni 2026, Seite 5. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.
Juni 2026 · Presseaussendung
Umsetzung des Modells „Österreich plus" muss rasch erfolgen
Bundesvereinigung der Milizverbände
„I hob zwoar ka ohnung wo i hinfoahr, Aber dafür bin i gschwinder duat!" – An diese Textstelle aus der Feder von Helmut Qualtinger fühlt sich Oberstleutnant Bernd Huber, Präsident der Bundesvereinigung der Milizverbände, durch den Vorschlag der SPÖ zur Wehrdienstreform schmerzhaft erinnert. „Zwar muss positiv anerkannt werden, dass die SPÖ, nach eigenem Bekunden, mit diesem Vorschlag eine Blockade innerhalb der Bundesregierung auflösen möchte, es muss aber mit Nachdruck festgehalten werden, dass dieser Vorschlag weit an den zu erbringenden Anforderungen vorbeigeht", so Präsident Huber.
Der Reihe nach: Am 2. Juni 2025 setzte Bundesministerin Klaudia Tanner eine „Wehrdienstkommission" unter der Leitung von Generalmajor Erwin Hameseder ein. Schien die Einsetzung der Kommission eher von Verschleppungsabsicht getragen, um so eine unbequeme Entscheidung doch wieder auf die „lange Bank" schieben zu können, überraschte die Wehrdienstkommission, deren Zusammensetzung aus hochkarätigen Experten von der Bundesregierung mehrfach betont wurde, durch die Vorlage eines soliden, fundierten und gut abgewogenen Ergebnisses, das (erst) am 20. Jänner 2026 der Öffentlichkeit präsentiert wurde.
Wer nun auf die rasche Umsetzung des vorgeschlagenen Modells „Österreich plus" (8 Monate Präsenzdienst plus 2 Monate verpflichtende Übungen) gehofft hatte, sah sich bereits durch die Ankündigung des Bundeskanzlers enttäuscht, der plötzlich eine Volksbefragung in die Diskussion warf. Eine Entscheidung der Bundesregierung folgte seit der Vorlage des Kommissionsberichtes nicht. Um das Nichtstun dennoch zu kaschieren, wurde ein „parlamentarischer Prozess" gestartet, der mangels Einigkeit der Bundesregierung (worüber sollte dann eigentlich mit der Opposition verhandelt werden?) bisher zu nichts führte.
Die Zeit läuft davon!
„Man könnte das Ganze achselzuckend als Ausdruck fehlender politischer Problemlösungskompetenz zu den Akten legen. Aber so einfach ist das nicht: Es geht in diesem Bereich um eine zentrale Frage der Sicherheit! Während sich die internationale Lage in den letzten Monaten stetig verschärft hat und ein Schock den nächsten jagt, lässt die Bundesregierung wertvolle Zeit verstreichen, Zeit, die einfach nicht mehr aufzuholen ist. Zur Erinnerung: Laut dem Vorsitzenden der Wehrdienstkommission sollte das Modell ‚Österreich plus' spätestens mit Jänner 2027 seine Umsetzung finden. Das wird und kann sich nicht ausgehen", so Präsident Bernd Huber.
Fazit: Österreich bildet seine Soldaten weiterhin unzulänglich aus, um sie nach sechs Monaten Präsenzdienst ohne Übungspflicht nach Hause zu schicken. Es werden somit humane Ressourcen vergeudet, ohne dass ein Mehrwert für Österreichs Sicherheit erzielt wird. Auf das Gebot der Bundesverfassung (Art 79 Abs 1 B-VG – „Milizprinzip") darf resignierend verwiesen werden. „Aus fachlicher Sicht gibt es keine Alternative zur Umsetzung des Modells Österreich plus. Und das muss zeitnah geschehen", so Präsident Huber abschließend.
Frühjahr 2026 · Presseaussendung
Volksbefragung zur Verlängerung von Wehr- und Zivildienst? Bundesregierung entscheidungsunfähig!
Bundesvereinigung der Milizverbände
Präsident Oberstleutnant Bernd Huber: „Ansage von Bundeskanzler Stocker macht fassungslos. Ein Rücktritt und Neuwahlen wären eine ehrlichere Antwort!"
Österreich erlebt gerade das seltene Beispiel, wie eine Regierung die Ergebnisse einer Kommission, die sie selbst einberufen hat und deren Mitglieder von derselben als „hochkarätige Experten" bezeichnet wurden, konterkariert und letztendlich versenkt. „Mit der heute von Bundeskanzler Christian Stocker erhobenen Forderung, die Frage einer Verlängerung von Wehr- und Zivildienst, wie sie von der Wehrdienstkommission unter Vorsitz von Generalmajor Hameseder völlig richtig eingefordert wurde, einer Volksbefragung zu unterziehen, erlebt nicht nur die österreichische Verteidigungs- und Sicherheitspolitik, sondern auch die Innenpolitik insgesamt einen neuen, bisher nicht für möglich erachteten Tiefstand", fasst Präsident Oberstleutnant Bernd Huber seine Beurteilung zusammen.
Diese Beurteilung sei Ausdruck seiner tiefen Besorgnis vor dem Hintergrund der international als brandgefährlich und kritisch einzuschätzenden Lageentwicklung. Zur Erinnerung: Der Überfall Russlands auf die Ukraine, der die fatalen sicherheitspolitischen Fehleinschätzungen des „Westens" demaskiert hat, jährt sich in Kürze zum vierten Mal. Österreich hat zwar in punkto Verteidigungsbudget in der Zwischenzeit deutlich nachgebessert, was übrigens durch sämtliche wehrpolitisch relevanten Verbände stets eingefordert wurde, hat sich aber um die Personalfrage in der Landesverteidigung über diese vier Jahre „herumgemogelt", bis schließlich die eingangs angeführte Wehrdienstkommission einberufen wurde.
„Nun liegt deren Ergebnis und Einschätzung glasklar vor. Eine rasche Umsetzung wäre also angesagt. Was aber macht die Bundesregierung aktuell in Betriebsform des Bundeskanzlers? Man will die Verantwortung für eine notwendige und unumgängliche Entscheidung auf die Bürger dieses Landes abwälzen! Es ist aber geradezu Aufgabe einer Bundesregierung, Entscheidungen zu treffen und diese vor dem Volk zu vertreten und nicht umgekehrt", fordert Präsident Bernd Huber.
Rücktritt und Neuwahlen!
„Eine Bundesregierung ist an ihrer Problemlösungskompetenz zu messen und daran, wie sie die zentralen und vitalen Interessen des Gemeinwesens Österreich vertritt. Gemessen an diesem Kriterium kann dem Bundeskanzler und der Bundesregierung leider nunmehr auch in punkto Sicherheitspolitik nur noch ein glattes ‚Nicht genügend' zuerkannt werden. Ein Rücktritt und Neuwahlen wären eine ehrlichere Ansage im Interesse Österreichs", so Präsident Bernd Huber abschließend.
19. Mai 2025 · Diskussionsbeitrag
Das gesamte Bundesheer ist „Miliz" – Punktation zur Wehrdienstdebatte
Bundesvereinigung der Milizverbände, Diskussionsbeitrag von Präsident Bernd Huber
Die Bundesvereinigung der Milizverbände tritt seit 40 Jahren mit klaren Forderungen zum Milizsystem an die Öffentlichkeit. So ist es unserem Wirken zu verdanken, dass das Milizprinzip 1988 in die Bundesverfassung aufgenommen wurde – konkret in den Artikel 79 Abs 1 B-VG: „Dem Bundesheer obliegt die militärische Landesverteidigung. Es ist nach den Grundsätzen eines Milizsystems einzurichten." Gestützt auf das Milizprinzip konnte das Bundesheer in den späten Jahren des Kalten Krieges erstmals eine glaubwürdige Verteidigung Österreichs gewährleisten (Stichwort Raumverteidigung).
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Was bedeutet nun das Milizprinzip gemäß Bundesverfassung? In den Erläuterungen fallen vor allem zwei Kernpunkte auf: Miliz ist ein Bedarfsheer mit nur geringer Präsenzstärke. Dieses Bedarfsheer tritt nur im Einsatz oder zu Übungen und Ausbildungen zusammen. Und damit sind wir beim zweiten Kernpunkt: Ein Milizheer ohne wiederkehrende Übungen funktioniert nicht. Dies hat die Teilmobilmachung anlässlich der Coronapandemie bewiesen. Es brauchte Wochen, um die einberufenen Verbände so weit zu haben, dass diese den gestellten Aufgaben gerecht werden konnten.
Die Aussetzung der Übungen und damit verbunden die Verkürzung des Wehrdienstes auf sechs Monate führte dazu, dass ein Üben von Milizverbänden nur noch ausnahmsweise erfolgen konnte. Die Bundesvereinigung der Milizverbände hat diesen latenten Verfassungsbruch wiederholt gebrandmarkt und klare Forderungen erhoben – etwa bei den Pressekonferenzen in Wien im Jänner 2020 mit Bundesminister a.D. Robert Lichal („Wir brauchen ein Revival des Bundesheeres. Wiedereinführung der Volltruppenübungen ein Muss") und im Jahr 2022 (Forderung nach 6 plus 2 und Wiedereinführung von Truppenübungen), dazu zahlreiche Presseaussendungen.
Das Beharren unsererseits auf der Ausrichtung des Bundesheeres als einem Milizheer ist nicht bloßen Formalismen geschuldet, sondern entspringt der tiefen Überzeugung, dass diese Organisationsform für einen Kleinstaat die am besten geeignete, kostengünstigste und effizienteste ist. Richtig ist: Das GESAMTE Bundesheer ist „MILIZ".
Wir haben aktuell genau das, was manche immer wollten: ein Berufsheer, dessen Kader sich aus Wehrpflichtigen ergänzt. Abgesehen vom Gebot der Verfassung und abgesehen davon, dass dies einen groben Missbrauch der Wehrpflicht darstellt, hat sich das System auch als teuer und ineffizient erwiesen. Wir bilden junge Rekruten aus, um sie anschließend auf Nimmerwiedersehen nach Hause zu schicken. Wir kaufen auch teures Gerät, das niemand bedienen wird, weil das Personal in der Truppe fehlt. Daher: Soll das Bundesheer eine Perspektive für die Sicherheit Österreichs eröffnen, werden wir eine Verlängerung der Wehrpflicht mit wiederkehrenden Truppenübungen brauchen. Daran führt kein Weg vorbei.